PM: Chan­ce ver­passt: Senat der Uni Pots­dam igno­riert mehr als 4.000 Stim­men für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und mehr Qua­li­tät im Stu­di­um


Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung der Mit­glie­der­initia­ti­ve UP und der GEW

Pots­dam, 25. März – Der Senat der Uni Pots­dam lehnt die breit unter­stütz­te Mit­glie­der­initia­ti­ve ab, die unter dem Mot­to „Lehr­de­pu­ta­te sen­ken – Qua­li­tät der Leh­re ver­bes­sern – Gesund­heit schüt­zen“ stand. Weit über 4.000 Hoch­schul­mit­glie­der hat­ten sich für die Initia­ti­ve aus­ge­spro­chen.

Es ist das ers­te Mal, dass Mit­glie­der einer bran­den­bur­gi­schen Hoch­schu­le Initia­ti­ve ergrif­fen und sich im Rah­men des 2024 neu hin­zu­ge­kom­men § 67 des Lan­des­hoch­schuls­ge­set­zes in die Hoch­schul­po­li­tik ein­ge­bracht haben. Die­ser Pas­sus legt fest, dass Hoch­schul­mit­glie­der, also Beschäf­tig­te und Stu­die­ren­de mit einer Art Peti­ti­on einen Antrag an den aka­de­mi­schen Senat rich­ten kön­nen, der dann beschie­den wer­den muss. Hin­ter­grund: Vie­le wis­sen­schaft­li­che Beschäf­tig­te der Uni­ver­si­tät Pots­dam sind der­zeit ver­pflich­tet, bis zu 18 Stun­den pro Woche Leh­re abzu­hal­ten – zusätz­lich zu For­schung, Betreu­ung von Stu­die­ren­den und admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben. So bleibt für Vie­le kaum Zeit für die indi­vi­du­el­le Betreu­ung Stu­die­ren­der oder für eige­ne wis­sen­schaft­li­che Arbeit. Genau die­se Fak­to­ren sind jedoch ent­schei­dend für die Qua­li­tät des Stu­di­ums.

Die Initia­ti­ve schlug des­halb vor, die Lehr­ver­pflich­tung zu sen­ken und die frei wer­den­de Zeit sinn­voll zu nut­zen – etwa für inten­si­ve­re Betreu­ung oder die wis­sen­schaft­li­che Fun­die­rung der Lehr­ver­an­stal­tun­gen.

Gleich­zei­tig wur­de von der Mit­glie­der­initia­ti­ve ein kon­kre­ter Finan­zie­rungs­vor­schlag gemacht: Mit­tel aus dem Zukunfts­ver­trag „Stu­di­um und Leh­re stär­ken“, aus dem der Uni­ver­si­tät jähr­lich rund 30 Mil­lio­nen Euro zusätz­lich zur Ver­fü­gung ste­hen (Ten­denz stei­gend), soll­ten genutzt wer­den, um zusätz­li­che Stel­len zu schaf­fen und damit even­tu­el­le Lücken in der Lehr­ka­pa­zi­tät zu schlie­ßen.

Prä­si­di­um und Ver­wal­tung der Uni­ver­si­tät ver­säum­ten es, die Mit­glie­der des Senats mit den erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen recht­zei­tig aus­zu­stat­ten, um ihnen eine sach­ge­mä­ße Ent­schei­dung zu ermög­li­chen. Und obwohl die Senator:innen das Anlie­gen der Initia­ti­ve zwar grund­sätz­lich befür­wor­te­ten, sahen sie sich auf­grund der unvoll­stän­di­gen Daten nicht in der Lage, dem Antrag zuzu­stim­men. In der Fol­ge wur­de der Vor­schlag der Initia­ti­ve zur Behand­lung in eine Arbeits­grup­pe über­wie­sen, die aber erst in einem Jahr Ergeb­nis­se vor­le­gen soll.

Dr. Flo­ri­an Hanisch, der auf einer Stel­le mit hohem Lehr­de­pu­tat an der UP arbei­tet, kom­men­tier­te den Beschluss: „Ich hat­te gehofft, dass es end­lich zu einer spür­ba­ren Ver­bes­se­rung der Lehr- und Arbeits­be­din­gun­gen kommt. Statt­des­sen dro­hen wei­ter­hin Mehr­ar­beit, Stress und Über­las­tung. Qua­li­täts­vol­le Leh­re ist so nicht mög­lich.”

Marie Han­sen, eine der Spre­che­rin­nen der Initia­ti­ve, erklär­te zum Umgang mit den vor­ge­schla­ge­nen Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten: „Erstaun­lich ist, dass unser Vor­schlag, Mit­tel aus dem Zukunfts­ver­trag für zusätz­li­che Dau­er­stel­len ein­zu­set­zen, kaum berück­sich­tigt wur­de. Es ent­steht der Ein­druck, dass die zur Ver­bes­se­rung von Leh­re und Stu­di­um vor­ge­se­he­nen Gel­der nicht ziel­ge­rich­tet ver­wen­det wer­den oder es an Trans­pa­renz über ihren Ein­satz fehlt.“

Dr. Clau­dia Rödel, eben­falls Spre­che­rin der Initia­ti­ve resü­mier­te: „Mit der Ent­schei­dung steht der Senat nun in der Pflicht, in einem Jahr ein Ergeb­nis zu lie­fern. Von der Hoch­schul­lei­tung erwar­ten wir einen trans­pa­ren­ten und koope­ra­ti­ven Pro­zess, so dass eine zeit­ge­mä­ße Anpas­sung der Lehr­ver­pflich­tungs­re­ge­lun­gen so schnell wie mög­lich erfol­gen kann. Denn in der Zwi­schen­zeit lau­fen die Über­las­tungs­er­schei­nun­gen der Dozent:innen und die Defi­zi­te in der Qua­li­tät der Leh­re wie bis­her wei­ter.

Die GEW bewer­tet die Ent­schei­dung als kla­res Signal gegen bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und gegen eine nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung der Stu­di­en­qua­li­tät. Und das in Zei­ten sin­ken­der Studierenden- und stei­gen­der Stu­di­en­ab­bruchs­zah­len.

„Wenn selbst breit unter­stütz­te und kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge igno­riert wer­den, stellt sich die Fra­ge, wie ernst es der Hoch­schul­lei­tung mit der Ver­bes­se­rung von Leh­re und Stu­di­en­be­din­gun­gen ist“, sagt Lukas Doil, Lei­ter der Lan­des­fach­grup­pe Hoch­schu­le und For­schung der GEW Bran­den­burg. „Wir wer­den nun den Druck erhö­hen und wei­te­re Schrit­te prü­fen. Das Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft, For­schung und Kul­tur soll­te nun durch eine Neu­re­ge­lung der Lehr­ver­pflich­tungs­ver­ord­nung end­lich lan­des­wei­te Stan­dards für Gute Arbeit in der Wis­sen­schaft set­zen.“

Die GEW ruft die Ver­ant­wort­li­chen dazu auf, den Dia­log wie­der auf­zu­neh­men und trag­fä­hi­ge Lösun­gen zu ent­wi­ckeln – damit sich Arbeits- und Stu­di­en­be­din­gun­gen end­lich spür­bar bes­sern.

Für Rück­fra­gen:

Dr. Clau­dia Rödel 
Tele­fon: 0152–29945838
E‑Mail: croedel@uni-potsdam.de

Lukas Doil
0160 92136178
huf@gew-brandenburg.de