Lehr­de­pu­ta­te sen­ken – Qua­li­tät der Leh­re ver­bes­sern – Gesund­heit schüt­zen!


Die Bedin­gun­gen von For­schung und Leh­re an der Uni­ver­si­tät Pots­dam sind so schlecht wie seit lan­gem nicht. Die Belas­tung durch Hoch­de­pu­ta­te (bis zu 24 LVS!) ist enorm. Das bedeu­tet, das vie­le Dozie­ren­de Leh­re am Fließ­band machen müs­sen. Die­ser Druck hat Fol­gen. Kör­per­li­che und men­ta­le Gesund­heit lei­den, eige­ne Qua­li­fi­ka­ti­ons­zie­le gera­ten in Gefahr.

Leid­tra­gen­de sind nicht zuletzt die Stu­die­ren­den. Ansprech­bar­keit, Zeit für Feed­back, for­schungs­ba­sier­te und inno­va­ti­ve Lehr­ver­an­stal­tun­gen sowie die Mög­lich­keit, Stu­die­ren­de indi­vi­du­ell zu för­dern und zu unter­stüt­zen, müs­sen unver­han­del­bar sein. Leh­ren­de an der Uni­ver­si­tät Pots­dam kön­nen die­se Auf­ga­ben jedoch in stei­gen­dem Maß trotz gro­ßer Anstren­gun­gen und hohem per­sön­li­chen Ein­satz zu oft nicht mehr gewähr­leis­ten.

Zwi­schen Febru­ar 2025 und März 2026 haben sich Beschäf­tig­te und Stu­die­ren­de an der UP gemein­sam mit ihrer Gewerk­schaft in einer Orga­ni­zing­kam­pa­gne für eine spür­ba­re Ver­bes­se­rung der Arbeits- und Stu­di­en­be­din­gun­gen ein­ge­setzt. Wir haben weit über 4000 Unter­schrif­ten im Rah­men einer Mit­glie­der­initia­ti­ve nach § 67 des Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes gesam­melt und dem Senat einen Antrag vor­ge­legt.


Der Senat der Uni­ver­si­tät Pots­dam hat den Antrag der Mit­glie­der­initia­ti­ve in der Sit­zung am 25. März 2026 abge­lehnt.

Nach etwas mehr als einem Jahr an Organizing-Arbeit und geleb­ter Mit­be­stim­mung an der Hoch­schu­le sind wir ent­setzt dar­über, wie wenig die Hoch­schul­lei­tung und die Ver­wal­tung sich ernst­haft mit unse­ren Vor­schlä­gen aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Wie­der ein­mal hat sich gezeigt, dass der Senat sich außer Stan­de sieht, struk­tu­rel­le Refor­men durch­zu­füh­ren, obwohl er das zen­tra­le Organ der Selbst­ver­wal­tung der Uni­ver­si­tät ist. Was bleibt, sind aber weit über 4000 Stim­men für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und mehr Qua­li­tät im Stu­di­um. Eine bis­her uner­höht hohe (15% der Hoch­schu­le) Betei­li­gung für ein hoch­schul­po­li­ti­sches und gewerk­schaft­li­ches Anlie­gen an einer Uni­ver­si­tät. Blei­ben wird aber auch der Frust gegen­über einer Hoch­schul­lei­tung, die wei­ter auf Über­las­tung, Befris­tung und Fließ­band­leh­re setzt.

Jedes Ende ist aber immer auch ein Anfang. Wir wer­den unser Anlie­gen nun in die Lan­des­po­li­tik tra­gen. Das Minis­te­ri­um muss nun, da sich die größ­te Hoch­schu­le des Lan­des selbst ange­sichts von über 4000 Stim­men taub stellt, lan­des­wei­te Stan­dards set­zen. Der Bran­den­bur­gi­sche Son­der­weg ohne zen­tra­le Lehr­ver­pflich­tungs­ver­ord­nung ist aus der Zeit gefal­len.

Lest hier unse­re Pres­se­er­klä­rung mit eini­gen Wort­mel­dun­gen aus der Initia­ti­ve:

https://www.gew-brandenburg.de/wp-content/uploads/2026/03/PM_Chance-verpasst.pdf

25. März 2026: Im fin­det im Senat der Uni­ver­si­tät Pots­dam die ent­schei­den­de Abstim­mung zur Mit­glie­der­initia­ti­ve statt. Der Antrag der Mit­glie­der­initia­ti­ve wird auf Anra­ten der Hoch­schul­lei­tung abge­lehnt. Statt­des­sen soll eine Arbeits­grup­pe ein­ge­setzt wer­den, die in einem Jahr einen Reform­vor­schlag unter­brei­tet.
- Dazu unse­re Pres­se­mit­tei­lung zur Ableh­nung der Mit­glie­der­initia­ti­ve (PDF)

25. Febru­ar: Im Senat der Uni­ver­si­tät Pots­dam fin­det die Anhö­rung zur Mit­glie­der­initia­ti­ve und zum Dau­er­stel­len­kon­zept statt. Falls ihr dabei sein wollt, freu­en wir uns über jede Unter­stüt­zung: 25.2, ab 14:15 in Raum 1.03, Haus 9, Cam­pus Neu­es Palais.
- Unse­re Prä­sen­ta­ti­on vor dem Senat der UP mit Infor­ma­tio­nen zur Pro­ble­ma­tik, unse­rer Arbeit, dem Antrag und des­sen Kon­se­quen­zen (PDF)
- Unse­re Zusam­men­fas­sung von der Senats­an­hö­rung (PDF)
- Dazu ein Arti­kel in den PNN: https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/uni-potsdam-initiative-fordert-senkung-der-lehrstunden-15146996.html

17. Dezem­ber 2025: Im Rah­men einer Senats­sit­zung über­gibt die Initia­ti­ve die geprüf­ten Unter­schrif­ten an den Senat.

Novem­ber 2025: Wir haben das Quo­rum von etwa 3500 Unter­schrif­ten (15% aller Mit­glie­der der UP) erreicht

SoSe und Herbst 2025: Peti­ti­ons­kam­pa­gne mit Men­sa­stän­den, Büro­rund­gän­gen, Cam­pus­an­spra­che, Seminar- und Vor­le­sungs­in­ter­ven­tio­nen
- Unser Antrag, für den wir Unter­schrif­ten gesam­melt haben (PDF)

27. Febru­ar 2025: Uni-weites Tref­fen mit etwa 30 Teilnehmer:innen, auf dem wir uns auf das The­ma Lehr­ver­pflich­tung, Stu­di­en­be­din­gun­gen und Hoch­de­pu­ta­te ver­stän­digt haben. Unser Ansatz: Bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen füh­ren unmit­tel­bar auch zu bes­se­ren Stu­di­en­be­gin­gun­gen. Bran­den­burg hat als ein­zi­ges Bun­des­land kei­ne lan­des­wei­te­ren Depu­tats­re­ge­lun­gen, son­dern jede Hoch­schu­le legt selbst die Lehr­ver­pflich­tung fest.

12. Juli 2024: Aktiven-Workshop mit einer Trai­ne­rin von Organizi.ng, um Orga­ni­zings­po­ten­zia­le des Mitgliederinitiative-Paragraphen zu dis­ku­tie­ren. Ent­schluss, vor der nächs­ten Tarif­run­de eine Mitgliederini-Kampagne zu star­ten.

9. April 2024: Das neue Hoch­schul­ge­setz des Lan­des Bran­den­burg tritt in Kraft. Dar­in wur­de der Para­graph 67 (Mit­glie­der­initia­ti­ve) neu auf­ge­nom­men, den die GEW in den Geset­zes­pro­zess ein­ge­bracht hat­te. Aller­dings wur­de mit 15% ein deut­lich höhe­res Quo­rum als gefor­dert (5%) fest­ge­schrie­ben.

Wir sind Stu­die­ren­de und Mitarbeiter*innen der Uni­ver­si­tät Pots­dam. Wir haben eine Mit­glie­der­initia­ti­ve gegrün­det und laden jedes Uni­ver­si­täts­mit­glied herz­lich ein, mit­zu­ma­chen.

Am 13. Febru­ar 2025 fand an der Uni­ver­si­tät Pots­dam ein ers­tes Orga­ni­sa­ti­ons­tref­fen statt. Mehr als 30 Men­schen – Beschäf­tig­te, Stu­die­ren­de und stu­den­tisch Beschäf­tig­te – nah­men teil. Bei der Dis­kus­si­on kris­tal­li­sier­te sich her­aus, das wir die Über­las­tung durch die zu hohe Lehr­ver­pflich­tung ange­hen wol­len, um gemein­sam bes­se­re Arbeits- und Stu­di­en­be­din­gun­gen zu schaf­fen.

Wir haben seit­dem einen Antrag an den Senat der Uni­ver­si­tät Pots­dam ver­fasst. Um die­sen vor­zu­le­gen und bera­ten zu las­sen, brau­chen wir etwa 3500 Unter­schrif­ten von Mit­glie­dern der Uni­ver­si­tät — also Stu­die­ren­den und Beschäf­tig­ten.


Mit­wir­kungs­mög­lich­kei­ten durch Mit­glie­der­initia­ti­ven

Alle Mit­glie­der der Uni­ver­si­tät – dazu gehö­ren neben Professor:innen auch wis­sen­schaft­li­che und nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter:innen sowie Stu­die­ren­de – haben gemäß der Ände­run­gen an § 67 Abs. 1 des Bran­den­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes (BbgHG), die Mög­lich­keit erhal­ten, Anlie­gen in den Senat ein­zu­brin­gen. Eine Mit­glie­der­initia­ti­ve kann genutzt wer­den, um ein The­ma zur Dis­kus­si­on zu stel­len. Bei erfolg­rei­cher Ein­rei­chung ist der Senat ver­pflich­tet, sich mit dem Anlie­gen zu befas­sen.

Vor­aus­set­zun­gen für eine Mit­glie­der­initia­ti­ve (gemäß § 67 Abs. 4 BbgHG)

Der Senat ist eines der zen­tra­len Gre­mi­en der Uni­ver­si­tät und hat weit­rei­chen­de Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se. Er setzt sich aus Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Hoch­schul­leh­ren­den, aka­de­mi­schen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, Stu­die­ren­den sowie der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter aus Tech­nik und Ver­wal­tung zusam­men.

Die bei­den ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen haben das Recht, ihr Anlie­gen per­sön­lich im zustän­di­gen Gre­mi­um zu prä­sen­tie­ren und die Argu­men­te der Antrag­stel­len­den zu erläu­tern. Inner­halb eines Monats nach der Anhö­rung muss eine Ent­schei­dung getrof­fen und hoch­schul­öf­fent­lich bekannt gege­ben wer­den. Wird der Antrag abge­lehnt, kann ein erneu­ter Antrag zum glei­chen The­ma erst nach einem Jahr gestellt wer­den.

Die Uni­ver­si­tät ist kei­ne Lehr­fa­brik. Gute Leh­re braucht gute Arbeits­be­din­gun­gen. Und ein gutes Stu­di­um braucht bei­des.

Wir sehen die Lehr­ver­pflich­tungs­ord­nung, die der Senat der Uni Pots­dam beschließt, als zen­tra­le Stell­schrau­be an. Die der­zeit gel­ten­de Rege­lung zur Fest­le­gung der Lehr­ver­pflich­tung aka­de­misch Beschäf­tig­ter wur­de vom Senat der Uni­ver­si­tät im Jahr 2015 erlas­sen. Mit die­sem Erlass ging eine sys­te­ma­ti­sche Erhö­hung der Lehr­be­las­tung von Beschäf­tig­ten ein­her, wobei hier ins­be­son­de­re die unbe­fris­tet Beschäf­tig­ten betrof­fen waren. Gegen die­se Erhö­hun­gen gab und gibt es anhal­ten­de Pro­tes­te. Wir for­dern statt­des­sen: run­ter mit der Lehr­be­las­tung!

Unse­re For­de­run­gen

Wir wol­len, dass die­se Rege­lung ver­bes­sert wird. In unse­rem Antrag schla­gen wir vor, die Lehr­de­pu­ta­te wie folgt zu ändern:

Beschäf­tig­teLVS
mit Qua­li­fi­zie­rungs­mög­lich­keit, befris­tet0–4
mit Qua­li­fi­zie­rungs­mög­lich­keit, befris­tet mit Anschluss­zu­sa­ge4–8
mit Schwer­punkt For­schung, unbe­fris­tet (Rese­ar­cher)6–8
mit Schwer­punkt fach­wis­sen­schaft­li­che Leh­re, unbe­fris­tet (Lec­tu­rer)10–12
mit Lehr­auf­ga­ben in Spra­chen und künst­le­ri­schen Fächern, unbe­fris­tet13–16
mit Schwer­punkt Ver­mitt­lung prak­ti­scher Kom­pe­ten­zen (ins­bes. in den Berei­chen Sport, Musik)16–24

Eine genaue­re Begrün­dung und wei­te­re Maß­nah­men sind unse­rem Antrags­text for­mu­liert.


„Gute Arbeit in der Wis­sen­schaft kön­nen wir nur gemein­sam durch­set­zen.“

– Dr. Clau­dia Rödel, Post-Doc in der Zoo­phy­sio­lo­gie

„Jetzt ist die bes­te Gele­gen­heit, uns an der Uni für bes­se­re Arbeits- und Stu­di­en­be­din­gun­gen ein­zu­set­zen.“

– Marie Han­sen, M.A. , Dok­to­ran­din der Lin­gu­is­tik

„Sich zu orga­ni­sie­ren und zu ver­net­zen hat mir gehol­fen, gegen das all­ge­gen­wär­ti­ge Ohn­machts­ge­fühl anzu­kämp­fen.“

– Marie Pel­zer, B.Sc., Stu­den­tin der Psy­cho­lo­gie und stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te

Die Orga­ni­zin­g­ar­beit ist mit dem Errei­chen des Quo­rums erfolg­reich abge­schlos­sen wor­den. Zwi­schen Mai und Novem­ber 2025 haben wir meh­re­re dut­zend Mensa-Stände an allen drei Cam­pi der Uni Pots­dam zum Unter­schrif­ten­sam­meln auf­ge­baut, haben tau­sen­de Gesprä­che geführt und für unse­ren Antrag gewor­ben.