PM: Streik in der Wis­sen­schaft: Stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te wol­len nicht mehr die größ­te Tari­flü­cke im öffent­li­chen Dienst sein


12.01.2026

P R E S S E M I T T E I L U N G

von

TVStud­Bran­den­burg, GEW Bran­den­burg und ver.di Berlin-Brandenburg

Pots­dam – In den lau­fen­den Tarif­ver­hand­lun­gen im Bereich des TV‑L zwi­schen Gewerk­schaf­ten und der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der (TdL) wird in der zwei­ten Run­de am 15.01.26 erneut über einen Tarif­ver­trag für stu­den­tisch Beschäf­ti­ge an deut­schen Hoch­schu­len im TV‑L Gel­tungs­be­reich ver­han­delt. Mit über 300.00 nicht-tarifierten Beschäf­tig­ten bun­des­weit stel­len Student:innen, die an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen arbei­ten, wei­ter­hin die größ­te Tari­flü­cke im Öffent­li­chen Dienst dar.

„Stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te arbei­ten unter Bedin­gun­gen, die sich die meis­ten ande­ren

Arbeitnehmer:innen nicht ein­mal vor­stel­len kön­nen. Ein-Jahresverträge für die meis­ten studentisch-Beschäftigten, sechs Monats­ver­trä­ge für Tutor*innen, die wenigs­ten haben einen Arbeits­platz oder ein Arbeits­ge­rät. Dazu kom­men häu­fig unbe­zahl­te Arbeit, wenig Grund­ge­halt sowie der

grund­sätz­li­che Aus­schluss aus allen tarif­lich gere­gel­ten Son­der­zah­lun­gen (z.B. Infla­ti­ons­bo­nus, Weih­nachts­geld, Urlaubs­geld etc.). Das alles könn­te ein Tarif­ver­trag ver­bes­sern”, sagt Mar­cel Tobol­ski, stu­den­tisch beschäf­tigt an der Uni­ver­si­tät Pots­dam und Vor­stands­mit­glied des GEW Kreis­ver­ban­des Pots­dam.

Das Land Bran­den­burg beschäf­tigt rund 3.000 stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te an den acht staat­li­chen Bran­den­bur­ger Hoch­schu­len. Für alle gilt kein Tarif­ver­trag. Rund 90 % der stu­den­ti­schen Beschäf­tig­ten gel­ten in Bran­den­burg als armuts­ge­fähr­det, wie eine Stu­die aus dem Jahr 2023 ergab. (Quel­le: https://tvstud.de/studie-jung-akademisch-prekaer, S. 69)

„Die Finan­zie­rung von stu­den­ti­schen Beschäf­tig­ten aus Sach­mit­teln anstel­le von Per­so­nal­mit­teln zeigt, wie wenig unse­re Arbeit wert­ge­schätzt wird. Auf Initia­ti­ve des Minis­te­ri­ums für Wis­sen­schaft, For­schung und Kul­tur (MWFK) Bran­den­burg wur­de 2023 beim Dia­log­pro­zess „Gute Arbeit in der Wis­sen­schaft“ die For­de­rung auf­ge­nom­men, dass das Land Bran­den­burg sich im Rah­men der TdL für einen Tarif­ver­trag für stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te ein­setzt. Die­se For­de­rung stand eben­so im Koali­ti­ons­ver­trag der Lan­des­re­gie­rung. In den lau­fen­den Tarif­ver­hand­lun­gen wur­de der Tari­fie­rung bis­her aller­dings eine Absa­ge erteilt. Eine Umset­zun­gen die­ser Vor­ha­ben spü­ren stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te also bis­her nicht! Der Wil­le stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te als wich­ti­ger Pfei­ler für Leh­re und For­schung anzu­er­ken­nen, löst sich in Kür­zungs­dis­kus­sio­nen auf. All das geschieht auf den Rücken von Stu­die­ren­den, die die Zukunft unse­rer For­schungs­land­schaft sein sol­len,” sagt Tobi­as Pilz, AStA Refe­rent für TVStud und stu­den­tisch Beschäf­tig­te des 29. AStAs der Uni­ver­si­tät Pots­dam.

Die Gewerk­schaf­ten GEW und ver.di for­dern gemein­sam mit den Beschäf­tig­ten schon seit lan­gem eine bun­des­wei­te Tari­fie­rung z.B. nach Ber­li­ner Vor­bild (TVStud), die­se For­de­rung beinhal­tet wei­ter:

  • eine Min­dest­ver­trags­lauf­zeit von 24 Mona­ten,
  • einen Min­dest­stun­den­um­fang von 40 Stunden/Monat (Unter­schrei­tung auf Antrag der*des Beschäf­tig­ten mög­lich) und
  • ein ein­heit­li­ches Min­dest­stun­den­ent­gelt von 17,00 Euro im 1. Jahr der Beschäf­ti­gung, ab dem 2. Jahr: 18,00 Euro,

ab dem 3. Jahr: 19,00 Euro (Berech­nung mit Beginn des ers­ten Arbeits­ver­trags).

Um die­se For­de­run­gen durch­zu­set­zen fol­gen die stu­den­ti­schen Beschäf­tig­ten nun bun­des­weit den Streik­auf­ru­fen der Gewerk­schaf­ten GEW und ver.di, um für die zwei­te und drit­te Ver­hand­lungs­run­de zwi­schen Gewerk­schaf­ten und TdL in Pots­dam Druck auf­zu­bau­en.

Auch an den Pots­da­mer Hoch­schu­len wird im Rah­men der Ver­hand­lun­gen gestreikt wer­den. Zusätz­lich zur zen­tra­len Streik­ver­an­stal­tung am Kon­gress­ho­tel Pots­dam ruft

TVStud­Bran­den­burg zur Vorab-Kundgebung am 15.1 von 11:30 – 12:15 am Rechen­zen­trum in der Dor­tu­stra­ße auf.

„Unse­re Arbeit­ge­ber nut­zen oft scham­los aus, dass stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te meist Arbeit­neh­mer mit wenig oder kei­ner Arbeits­er­fah­rung sind. Das nicht Auf­klä­ren über Urlaubs­an­sprü­che oder unan­ge­mel­de­te Über­stun­den die zu Über­las­tung füh­ren sind bei uns an der Tages­ord­nung. Die­se Beschäf­tig­ten­grup­pe wird sys­te­ma­tisch benach­tei­ligt und das obwohl wir noch ein 40–60 Stun­den Stu­di­um “neben­bei” bewäl­ti­gen müs­sen. Wir erwar­ten vom ver­han­deln­den Innen­mi­nis­ter, dass er sich an den Koali­ti­ons­ver­trag von 2025 sowie die Ergeb­nis­se des Dia­logs Pro­zes­ses von 2023 hält und sich das Land Bran­den­burg in der TdL mit Nach­druck für den TVStud ein­setzt. Wir sind uns aller­dings auch bewusst, dass der TVStud nicht durch freund­li­ches Fra­gen kom­men wird, des­halb haben wir uns lan­ge und inten­siv mit unse­ren Kolleg:innen dar­auf vor­be­rei­tet, unse­ren For­de­run­gen den nöti­gen Druck zu ver­lei­hen. Wir sind bereit und wer­den für den Tarif­ver­trag kämp­fen!”, sagt Kaya Reg­nery, stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te an der Uni­ver­si­tät Pots­dam, TVStud-Aktive und Mit­glied der Bezirk­li­chen Arbeits­kam­plei­tung (BAKL) der Gewerk­schaft ver.di.

Stu­den­ti­sche Beschäf­tig­te bezeich­net als Sam­mel­be­griff stu­den­ti­sche und wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kräf­te sowie Tutor:innen.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jakob Tuchelt tuchelt@uni-potsdam.de

0179 6664039